Welche Tango-Songs hört ihr so?

Forumsregeln
Generelles zum Tango. Hier geht's zurück zu tangoinfo.ch. Werbung, Vorankündigungen werden gelegentlich in columna de anuncios verschoben.
Benutzeravatar
aleator
Beiträge: 9
Registriert: 28.09.2007, 12:08
Wohnort: Basel, Schweiz
Kontaktdaten:

Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von aleator » 28.09.2007, 12:23

Hola tangueros y tangueras,

Mich hat vor einem halben jahr das Tango-Fieber gepackt... bin noch Anfänger und (noch) nicht wirklich an Anlässen zu finden... doch hat sich mein Musikgeschmack gewandelt. Astor Piazzolla ist mir jetzt nicht nur ein Begriff, es ist vielmehr eine Ikone :)

last.fm ist eine plattform (welche aus audioscrobbler entstand), bei der man sich über Musik austauschen kann. Der eigene Computer meldet last.fm, was du gerade hörst und du bekommst selber tipps über musik. Auf der Website kannst du dich auch in Gruppen organisieren und ins Detail gehen. Was mir bisher gefehlt hat, ist eine Gruppe für Tango-Begeisterte Leute in der Schweiz. Also hab ich schnell eine gemacht:

Tango @ CH

Hiermit möchte ich also alle einladen, die auch das Tango-Fieber gepackt hat, beizutreten und mitzumachen.

see you + liebi grüessli,

Damir

Joachim

Re: Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von Joachim » 28.09.2007, 22:34

Und warum? Was habe ich davon, wenn mein Computer last.fm meldet, was ich grade höre? Abgesehen davon, dass ich nicht will, dass mein Computer irgendwohin irgendwas meldet...

Geh' mal an Anlässe und hör dort Musik zum Tanzen (was Astor definitiv nicht machen wollte, aber lange genug als 1.Bandoneón bei Troilo gemacht hat) Tango ist was Soziales und lebt erst richtig beim Tanzen in Gesellschaft. Dir stehen noch ein paar schöne Entdeckungen bevor - viel Vergnügen auf Deiner Reise in den Tango.

Benutzeravatar
tangoinfo.ch
Site Admin
Beiträge: 85
Registriert: 31.07.2007, 23:45
Kontaktdaten:

Re: Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von tangoinfo.ch » 30.09.2007, 18:04

aleator hat geschrieben:... Hiermit möchte ich also alle einladen, die auch das Tango-Fieber gepackt hat, beizutreten und mitzumachen.
Ich lade dich ein:
a) dass du den Tango live in Basel entdeckst!
b) dass du deine Musik-Impressionen hier im foro de tango notierst. Wie wär's z.B. mit wiederkehrenden Beiträgen von dir, wie du den Einstieg in die Tango-Musik erlebst?

ciao, Michael
tangoinfo.ch

elgatocalculista
Beiträge: 11
Registriert: 02.10.2007, 09:42

Re: Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von elgatocalculista » 02.10.2007, 10:40

Hallo,

Ich fände es gut, wenn hier in diesem Forum mehr Impressionen über Musik ausgetauscht würden.
(Und ein bisschen weniger über Schuhen, Böden und Atmosphäre der Milongas)

Es ist nämlich schöner und weniger automatisiert in einem solchen Forum als mit solchen Programmen wie dieses last.fm.

Ein Musiktipp, wenn dir Piazzolla gefällt:

Vor kurzer Zeit habe ich eine CD bekommen von einem Basler Trio, das sehr gute überarbeitete Versionen von Piazzollas Musik spielt:

http://www.trio-animae.com

Ich glaube, sie sind gerade von Basel, bin aber nicht sicher.


Zu:

„Tango ist was Soziales und lebt erst richtig beim Tanzen in Gesellschaft.“

Möchte ich sagen, dass ich es nicht so sehe. Dir würde ein Paar instrumentale Stück von Di Sarli und D’Arienzo reichen. Zu viereckig. Diese Reduzierung des Tangos auf einen Tanz ist das Schlimmste, das etwas „Soziales“ passieren kann.

Und, dass Piazzolla viel Tanzmusik als erster Bandoneonist von Troilo gespielt hat, wäre auch nicht ganz so.

Piazzolla hat für Troilo untanzbare Arrangements geschrieben, was zu heftigen Diskussionen zwischen ihm und Pichuco geführt haben.

Piazzolla gelangt es sogar, dass Troilos Publikum vor der Bühne steht und zuhört als tanzt.

Piazzolla wurde es mit Troilo sehr langweilig. Das hat seinen Abgang vom Troilos Orchester beschleunigt.

Und noch schlimmer, Piazzolla hat sich vom Tango für einige Jahre zurückgezogen, weil so viele Tanzmusik seine Kreativität unterdrückt hat.


Gruss

Martín

Joachim

Re: Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von Joachim » 02.10.2007, 12:30

elgatocalculista hat geschrieben:...
Zu:

„Tango ist was Soziales und lebt erst richtig beim Tanzen in Gesellschaft.“

Möchte ich sagen, dass ich es nicht so sehe. Dir würde ein Paar instrumentale Stück von Di Sarli und D’Arienzo reichen. Zu viereckig. Diese Reduzierung des Tangos auf einen Tanz ist das Schlimmste, das etwas „Soziales“ passieren kann.

Und, dass Piazzolla viel Tanzmusik als erster Bandoneonist von Troilo gespielt hat, wäre auch nicht ganz so.

Piazzolla hat für Troilo untanzbare Arrangements geschrieben, was zu heftigen Diskussionen zwischen ihm und Pichuco geführt haben.

Piazzolla gelangt es sogar, dass Troilos Publikum vor der Bühne steht und zuhört als tanzt.

Piazzolla wurde es mit Troilo sehr langweilig. Das hat seinen Abgang vom Troilos Orchester beschleunigt.

Und noch schlimmer, Piazzolla hat sich vom Tango für einige Jahre zurückgezogen, weil so viele Tanzmusik seine Kreativität unterdrückt hat.


Gruss

Martín
Von den Martins, die ich kenne, würde niemand so ein plumpes Vorurteil verzapfen "Dir würde ein Paar instrumentale Stück von Di Sarli und D’Arienzo reichen" - demzufolge kennst Du mich nicht und weisst auch nicht, was und wie ich auflege. Komm doch einfach am 11. November nach Basel in den Tanzpalast und mach Dir ein eigenes Bild, dann reden wir diesbezüglich weiter. ;)

Die Reduzierung des Tangos auf einen Tanz ist ebenfalls wieder eine Interpretation von Dir - niemand hat das in diesem Thread so geschrieben. Halte Dich doch einfach an das, was da steht, nicht an das, was Du glaubst, dass beim Schreiben gedacht wurde - sonst kommst Du zu falschen Schlussfolgerungen, auf die ich in aller Regel nicht antworte - es ist mir einfach zu mühselig, andrer Leute Falschinterpretation geradezurücken. Was Tango sicher nicht ist: Leute sitzen nur zuhause am PC und tauschen über eine anonyme (?) Musikbörse Tangos aus. Zu Tango gehört Tanz dazu, allermeistens im Paar, daher der soziale Anspruch.

Deine Piazzolla Quelle kann zutreffen. Meines Wissens nach (ich habe ihn ja nicht persönlich fragen können, er starb, bevor ich zum Tango kam) lernte er schon mit 9 Jahren (also ab 1930) Bandoneón, hatte bald danach Musikunterricht bei Bela Wilda, einem Schüler Rachmaninovs. 13-jährig hat er an einem Gardel-Film (El Dia que me quieras) mitgewirkt, wenn auch nur als Statist.

Grosser Zeitsprung zu Troilo - dort spielt er Ende der 30er Jahre, hatte ab 1946 sein eigenes Orchester, das er 4 Jahre lang leitet. Das geschah auch mit andren grossen Orchesterleitern und ist noch nichts Besonderes. Demzufolge war er etwa 8-10 Jahre lang auch Tanzmusiker. Eine andre Anekdote berichtet, dass er nur ein paar Stunden Schlaf hatte, bevor er nach der Arbeit in der Milonga weiter zu Alberto Ginastera zum Studium der klassischen Musik hastete. In Paris ließ ihn Nadia Boulanger 1954 zu ihrer Ausbildung zu - und da fand Piazzolla von seinen Avancen zu zeitgenössischer E-Musik zurück zum Tango, denn als sie ihn am Klavier Tango spielen hörte, meinte sie DAS sei der wahre Piazzolla. (nach: Eberhard Janke: Tango - die Berührung, 1984, Gießen).

Die Wertung "untanzbare Musik" ist ja eigentlich, angesichts dessen, was alles getanzt werden kann (Ballett, Contemporary, Hip-Hop, etc.), ein Widerspruch in sich. Wie ich höre, wird auf verschiedenen Milongas in BsAs Piazzolla gespielt, wenn auch selten und dann spät. Daß Troilos Publikum verstört war, weil sie Troilo Musik anstatt Piazzolla-Elogen erwarteten - was ist daran die Überraschung? Denk Dir Miles Davis beim Oktoberfest mit einer Trachtenkapelle, die Wirkung war sicher ähnlich. Und wenn er so gegen seinen Lehrmeister revoltieren musste - was weiss ich über die Gründe? Wenn der Schüler andre Wege gehen will, damit haben viele Lehrer ein Problem. Wenn der Schüler den Lehrer aber öffentlich blamieren muss - bei dem Ruf, den Pichuco hatte, reichte das für eine lebenslange Ächtung des Astor P. in den Milongas von BsAs, da konnte er Kompositionspreise abräumen, so viel er wollte.

Fakt ist: Mit Piazzolla einen Abend füllen zu wollen - da wäre der DJ sehr schnell allein auf der Piste :? . Das gleiche mit d'Arienzo und di Sarli? Das wäre zwar auch etwas eintönig, die Leute würden aber erheblich länger zum Tanzen bleiben und hätten dabei auch noch den grösseren Spass. Und das gilt auch für Musik aus seiner Tanzmusikphase oder später, als er 1973 noch eine Platte aufnahm "Histoire du Tango", mit all den grossen Hits, aber im Piazzolla Stil - zu jeder Nummer gibt es mindestens 2 bis 3 angenehmer zu tanzende Versionen von andren Orchestern. Er ist faszinierend zum Hören, man hat die Gleichartigkeit der Stücke aber auch schnell mal satt. Denn die Welt ist insgesamt kein so trauriger Platz, wie sie es in seinen Werken immer wieder werden soll. Und für ihn vielleicht auch war, wenn man mal einen Blick auf sein Privatleben riskiert.

Dennoch: Aleator hat absolut Recht, Astor Piazzolla ist eine Ikone - nur eben nicht die einzige, und schon gar nicht in der ersten Reihe der angenehm zu tanzenden Ikonen zu suchen. Ausserdem hat er die Renaissance des Tangos losgetreten, kein Troilo, kein d'Arienzo, kein Biagi - die waren da alle schon weit über dem Höhepunkt ihrer Karriere. Dass argentinische Tanzlehrer heute mit gestärkten Finanzen nach BsAs zurückkommen können, verdanken die nur Astor Piazzolla und der emotionalen Qualität seiner Musik - damit verbindet er sich mit den Klassikern, auch die berühren manchmal tief in der Seele, haben aber dabei den konstanten Rhythmus des Herzens nicht vergessen

elgatocalculista
Beiträge: 11
Registriert: 02.10.2007, 09:42

Re: Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von elgatocalculista » 02.10.2007, 15:27

Hallo Joachim,

Entschuldigung, wenn dich meine Falschinterpretationen so gestört haben. Ich habe es wirklich so verstanden.

Bei mir ist es wenigstens so, dass der Tanz nicht so wichtig ist, wie die Musik und die Tangodichtung. Und ich denke nicht, dass ich nicht was Grosses verpasse, wenn ich nicht tanzen gehe.

Zu den Musikbörsen:
Du hast mich auch falsch verstanden. Ich habe die Musikbörsen auch nicht verteidigt.

Zu deinen Bemerkungen bez. Piazzolla.

„Das geschah auch mit andren grossen Orchesterleitern und ist noch nichts Besonderes.“

Was ist nichts Besonderes? (möglicherweise interpretiere ich wieder falsch)
Du meinst das Orchester mit Fiorentino ist nichts Besonderes? Schon damals hatte Piazzolla angefangen, Musik zu schreiben, die du scheinbar 60 Jahre später noch nicht verstehst.

„Denk Dir Miles Davis beim Oktoberfest mit einer Trachtenkapelle, die Wirkung war sicher ähnlich.“

Gar nichts damit zu tun…

Miles Davis ist klar kein „Oktoberfester“ aber Piazzolla war doch ein Tanguero und er hat vor Tangoleuten gespielt.

Oder meinst du, Piazzolla war kein Tangomusiker? Ich will dich nicht falsch interpretieren, aber es tönt so. Du hättest perfekt zu jenen Tangueros aus den 40er Jahren gepasst, die sagten „Piazzollas Musik sei kein Tango“.

Übrigens, Troilo ist nicht der Lehrmeister von Piazzolla gewesen. Und der Ruf von Pichuco, von dem du sprichst, woher weißt du es? Du hast ihn ja nicht persönlich fragen können. Dieser Ruf ist sicherlich nicht so gross gewesen. Und wenn er sich diesen Ruf verdient hat, in dem gespielt hat, was die Leute hören wollten, wie du in deinem Palast mit D’Arienzo und Di Sarli, damit die Leute Spass haben oder bloss, um nicht alleine auf der Piste zu sein, dann ist das nicht mal Ruf.


„Das gleiche mit D’Arienzo und di Sarli? Das wäre zwar auch etwas eintönig, die Leute würden aber erheblich länger zum Tanzen bleiben und hätten dabei auch noch den grösseren Spass.“

Siehst du? Dir geht es nur um den Tanz. Wer sagt, dass die Leute den Tango nicht geniessen, weil sie nicht auf der Piste sind, weil sie Musik hören wollen und nicht tanzen. Wenn du in deinem Palast einen ganzen Abend, Piazzolla oder Rovira oder Di Filippo oder Gardel spielen würdest, dann verspreche ich dir, ich bleibe auf der Piste.

Die Serie „Historie du Tango“, wie du sie nennst hat Piazzolla im Jahre 1967 aufgenommen nicht 1973

Angenommen, du hast die CD, die ich denke:
Dass du angenehmer zu tanzende Versionen von andren Orchestern kennst, könnte sein aber eben nur zum Tanzen.

Dass du die Stücke gleichartig findest, ist keine Überraschung. Wieder 60 Jahre in der Vergangenheit verankert.


Langsam wird es für mich auch ein bisschen mühselig, deine aus den Büchern geholten Aussagen über Piazzolla zu lesen und zu beantworten.

„Denn die Welt ist insgesamt kein so trauriger Platz, wie sie es in seinen Werken immer wieder werden soll“ (???)

Deine Bemerkung über die argentinischen Tanzlehrer: Ich finde sie ein bisschen vergiftet und unfair.
Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass sie ihre Finanzen so stärken, wie du meinst. Und wenn schon, musst du ehrlich sein: Viele Europäer stärken auch ihre Finanzen, in dem sie in Argentinien Tango CDs oder Schuhe ganz billig kaufen und in Europa für das Zehnfache vermarkten.

Und, wenn in deinem Palast viele Leute Di Sarli, D’Arienzo und Pichuco tanzen, muss du es auch sagen: Es ist auch Piazzolla zu verdanken.

Joachim

Re: Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von Joachim » 02.10.2007, 23:22

Ja, und weil Du so fit bist im Interpretieren, machst Du grad weiter. Nö, weder Lust noch Zeit für eine Antwort. Besserwisser finden ihr Glück auch allein....

amogles
Beiträge: 30
Registriert: 22.08.2007, 11:10

Re: Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von amogles » 26.10.2007, 14:14

Es ist ein Eindruck den ich immer wieder bekomme, dass Piazolla sehr gut ankommt bei Anfänger. Er hat etwas modernes und etwas aufmüpfiges, was gerade die anspricht die die Nase voll haben von der Musik der Komsumkultur, er hat aber auch ein verspielter Unterton der eigentlich ein bizzele "lieb und nett" ist ohne dabei an "coolheit" einzubüssen. Also finden alle darin Resonanz.

Dagegen denke Anfänger oft, Darienzo und diSarli sind eintönig und eher die argentinische Pendants zu Grossvater's Trachtenkapelle.

Ich denke, das ist nur ein oberflächlger Eindruck, der man vielleicht bekommt wenn man Piazolla zum ersten Mal hört. tanze mal zwei drei jahre und dann sprechen wir uns nochmals.

Je mehr sich Tänzer in den tango vertiefem, umso mehr finden sie zu den Wurzeln des Tangos. Und diese Wurzeln sind nicht Piazolla. Nimm Dir mal wirklich die Zeit ein Stück von dIsarli anzuhören. Zum Beispiel "Mi Refugio". Und ich meine jetzt nicht beim tanzen oder über ein Glas Wein oder beim Abwaschen oder Bügeln aber nimm Dir wirklich Zeit. Versuche die einzelne Instrumente und Stimmen herauszuhören. Höre zu wie die Instrumente aufeinander eingehen und die Töne sich verweben. Höre wie das Thema sich entwickelt und verschiedene Phasen durchmacht bevor es sich vollendet Was Stimmenarragment betrifft, glaube ich war dISarli war eins der grössesten Interpreten die je gelebt haben.

Das soll kein Angriff auf Piazolla sein. Ich habe auch hier und dar mein Spass daran. Aber ich finde es falsch wenn Leute das Gefühl bekommen, es gäbe nur ihm. Die grosse Gefahr am Internet ist es man sucht sich ein Forum aus in dem Leute verkehren die genau so denken wie einen selber und irgendwan bildet man sich ein, ihre Meinung sei allgemein und allgegenwärtig.
Zuletzt geändert von amogles am 26.10.2007, 14:23, insgesamt 1-mal geändert.

amogles
Beiträge: 30
Registriert: 22.08.2007, 11:10

Re: Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von amogles » 31.10.2007, 11:19

elgatocalculista hat geschrieben:Siehst du? Dir geht es nur um den Tanz. Wer sagt, dass die Leute den Tango nicht geniessen, weil sie nicht auf der Piste sind, weil sie Musik hören wollen und nicht tanzen. Wenn du in deinem Palast einen ganzen Abend, Piazzolla oder Rovira oder Di Filippo oder Gardel spielen würdest, dann verspreche ich dir, ich bleibe auf der Piste.
Diese Bemerkungen löst bei mir eine andere Frage auf die ich mich scho oft gefrgat habe, und vielleicht kann ein fachkundiger DJ mir weiterhelfen.

An Milongas hört mal relativ wenige Gardels, oder überhaupt gesungene Tangos. Das meiste ist instrumental.

Und wenn man schon gesungene Tangos hört, sind es eher die frivolere und trivialere Stücke.

Gibt es dazu einen Grund? Denkt man, gesang sört beim Tanz? Ab und zu merke ich, bei gesungener Tangos bin ich weniger Aufmerksam auf der Musik weil ich eher den Text höre. Ist das ein allgemeines phänmean und hat es damit zu tun? Oder git es einen anderen rund?

Joachim

Re: Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von Joachim » 01.11.2007, 01:07

Amogles, ich nehme an, Du sprichst Spanisch? Vielleicht sogar Llunfardo? Tanzt Du auch Tango?

Ich spreche fast kein Spanisch - und bin froh darum, weil die Tangotexte, die ich bisher übersetzt gelesen habe... also, mit der heutigen Zeit haben die nicht mehr viel zu tun. Speziell Gardel mit dem Klischee "Frau: Entweder Mutter oder Hure" tönt seltsam. Wird denn in Buenos Aires zu Liedern von Gardel getanzt? Mir würde kein einziges Gardel-Stück einfallen, von dem es keine andre Version gäbe, die besser zum Tanzen ist. Gardels Stärke ist das Lied, nicht unbedingt Musik zum Tanzen.

Und darum geht es auf einer Milonga. Die Besucher zahlen keinen Eintritt, um zu sitzen und gesungene Tangos zu hören. Sondern um zu Tangomusik zu tanzen. Wenn diese gesungen ist, stört das nicht unbedingt. Das hat schon Elgatocalculista nicht verstanden: Tango kann man zuhause hören, aber auf einer Milonga ist das Tanzmusik. Alle seine "Musikvorschläge" würden die Tanzfläche leer werden lassen - aber vielleicht will er das ja....

Wenn Du wieder irgendwo bist auf einer Milonga, frag den DJ, warum er lieber instrumentale Stücke auflegt. Dann bekommst Du eine Antwort. Ich hatte noch keine solche Anfrage, das würde mich auch wundern. Ich glaube eher, ich bevorzuge gesungene Stücke - aber nur diejenigen, bei denen sich der Sänger nicht in den Vordergrund drängt.

Es gibt wenige Leute, die Tangotexte bewusst hören, die meisten hierzulande sprechen nicht so fliessend Spanisch. Um ein Gefühl für die Musik zu bekommen, muss niemand den Text verstehen. Und wer aus aktuellen Gründen traurig ist, findet Trost in einem Tango, auch ohne die Worte zu verstehen. Ob die Texte frivol oder trivial sind, kann ich nicht beurteilen - aber das Leben kann ebenfalls frivol oder trivial sein, daher scheint mir das nicht so verkehrt.

amogles
Beiträge: 30
Registriert: 22.08.2007, 11:10

Re: Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von amogles » 01.11.2007, 16:28

Joachim hat geschrieben:Amogles, ich nehme an, Du sprichst Spanisch? Vielleicht sogar Llunfardo? Tanzt Du auch Tango?
Jain, ich verstehe msit genug dass ich nachvollzeihen kann worum es geht, auch wenn mir sicher noch viele Feinheiten verborgen bleiben.
Joachim hat geschrieben: Ich spreche fast kein Spanisch - und bin froh darum, weil die Tangotexte, die ich bisher übersetzt gelesen habe... also, mit der heutigen Zeit haben die nicht mehr viel zu tun. Speziell Gardel mit dem Klischee "Frau: Entweder Mutter oder Hure" tönt seltsam. Wird denn in Buenos Aires zu Liedern von Gardel getanzt? Mir würde kein einziges Gardel-Stück einfallen, von dem es keine andre Version gäbe, die besser zum Tanzen ist. Gardels Stärke ist das Lied, nicht unbedingt Musik zum Tanzen.
Es gibt nicht nur in den Tangotexte viele Sachen die für unsere heutige Verhältnisse sehr veraltet wirken. Aber das ist nicht nur in den Texten so. Der Tango ist an sich etwas aus eine frühere Epoche und wer nicht eine gewisse Neigung zur Nostalgie hat fühlt sich meist nicht zum tango angezogen. Vielleicht ist es auch dass was der Reiz von Buenos Aires und Argentinien gesamthaft für uns verwöhnte Europäer so schmackhaft macht. Es ist ein Land das ein bisschen einfacher ist und ein bisschen altmodischer ist aber dennoch nicht wirklich fremd. Es ist ein Land wo man noch Sachen bekommt und sieht die es bei uns nicht mehr gibt - und damit meine ich gerade die kleinigkeiten die Geld-mässig nicht viel wert sind aber doch eine Freude machen. Man bekommt zum Beispiel ein gewisses Mass an Aufmerksamkeit dass es bei uns längst nicht mehr gibt. Die Leute haben noch Zeit und können und wollen sich für die wichtigen Sachen noch Zeit nehmen. Die Leute haben sichbar Freude wenn man sich für ihnen interessiert und sind bereit alles zu tun um einen zu helfen den sie nicht einmal richtig kennen. Argentien ist im Herzen ein Stück altes Europa dass weder den ersten noch den zweiten Weltkrieg noch den kalten Krieg erlebt hat und somit ein Stück Unschuld behalten hat an dem wir uns nicht einmal mehr erinnern können. Wenn wir Tango tanzen holen wir doch ein Stück davon in unsere Welt hinein, wenisgstens in den Gedanken.

Natürlich sind viele Texte unpassend. Es werden Meinungen zum Ausdruck gebracht die Heute nicht mehr "politically correct" sind. Freude daran zu haben heisst nicht sich die alte Zeiten zurückzuwünschen. So etwas will (hoffentlich) ernsthaft niemand mehr. Aber es gibt in diese Texte eine tiefere, seelische Ebene, die doch ziemlich den Nerv trifft.
Joachim hat geschrieben: Es gibt wenige Leute, die Tangotexte bewusst hören, die meisten hierzulande sprechen nicht so fliessend Spanisch. Um ein Gefühl für die Musik zu bekommen, muss niemand den Text verstehen. Und wer aus aktuellen Gründen traurig ist, findet Trost in einem Tango, auch ohne die Worte zu verstehen. Ob die Texte frivol oder trivial sind, kann ich nicht beurteilen - aber das Leben kann ebenfalls frivol oder trivial sein, daher scheint mir das nicht so verkehrt.
Trauer ist ein sehr oberflächiger Begriff. Viele Sephardische Musiken und Zigeunermusiken sind auch traurig, und teils noch viel trauriger als Tango je werden kann. Dennoch ist Tango mit dieser Begriff behaftet worden.

elgatocalculista
Beiträge: 11
Registriert: 02.10.2007, 09:42

Re: Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von elgatocalculista » 02.11.2007, 00:44

Ich denke, das ist nur ein oberflächlger Eindruck, der man vielleicht bekommt wenn man Piazzolla zum ersten Mal hört. tanze mal zwei drei Jahre und dann sprechen wir uns nochmals.

Ich verstehe das nicht. Muss man tanzen, um den Tango spüren, geniessen und von Tango sprechen zu können?


Je mehr sich Tänzer in den Tango vertiefen, umso mehr finden sie zu den Wurzeln des Tangos. Und diese Wurzeln sind nicht Piazzolla. Nimm Dir mal wirklich die Zeit ein Stück von Di Sarli anzuhören. Zum Beispiel "Mi Refugio". Und ich meine jetzt nicht beim tanzen oder über ein Glas Wein oder beim Abwaschen oder Bügeln aber nimm Dir wirklich Zeit.

Du meinst aber nicht, die Wurzeln sind nicht Di Sarli oder?
Ich habe Di Sarli schon ziemlich lang gehört. Ich behaupte, ich habe alle seine CDs.
Das Orchester tönt wirklich schön. "Mi Refugio" ist ein schönes Stück und einer meiner Lieblingstangos wurde von Di Sarli komponiert (Tristeza Marina)

Piazzolla höre ich seit mehr als 15 Jahren und jedes Mal entdecke ich neue Sachen in seiner Musik. Nimm dir du die Zeit und hör das "Concierto para Quinteto" und hör am Schluss, was Cacho Tirao mit seiner Gitarre spielt. Das ist für mich ein physischer und emotionaler Genuss von den Füssen bis zum Kopf. Ich brauche nachher ein Paar Stunden, um wieder den Verstand zu finden. Besser hat das meine Mutter ausgedrückt: "Ich bekomme ein Kind, jedes Mal, wenn ich Piazzolla höre" Hay! Entschuldigung ich will dich auch nicht langweilen.



"Speziell Gardel mit dem Klischee "Frau: Entweder Mutter oder Hure" tönt seltsam."

Ich glaube auch, dass sich Tangotexte nicht gut übersetzten lassen. Stimmt aber nicht, dass sie nicht mit der heutigen Zeit nicht mehr zu tun haben. Enrique Santos Discépolo hat "Cambalache" im Jahre (ungefähr) 1935. Heute ist dieser Tango aktueller denn je, um nur ein Beispiel zu nennen.

Nachher das mit dem Klischee "Frau: Entweder Mutter oder Hure"....
Wer ist hier derjenige der "plumpen Vorurteilen"?

Die ganze Thematik der Frauen im Tango scheint in Europa (oder für dich Joachim) zu vereinfacht zu sein. Ist aber komplizierter und hat mit der Art zu tun, wie man sich im Tango ausdrückt. Es ist Literatur!

Hättest du auch gesagt, dass Shakespeare ein machistisches Klischee hatte, weil Othello Desdemona getötet hat, weil er Eifersüchtig war?

Wenn es bei den Tangotexten wirklich bei Stechereien ginge, dann wären die Argentinier schon lange alle erstochen worden. Möglicherweise die Frauen als erste. Ist es aber nicht so.

Und kein Tangodichter hat sich das Leben genommen, weil er so traurig war.

Es ist nicht so einfach beim Tango. Es hat mit Sarkasmus zu tun. Mit Zweideutigkeit (manchmal auch mit Dreideutigkeit!) zu tun. Etwas der Art: "Du weisst, dass ich nicht glaube, was ich sage. Ich sage es trotzdem. Du glaubst es nicht. Aber machst, als ob du einverstanden wärest, weil du es auch sagen würdest" Hay! Ich weiss es nicht genau. Ich kann es nicht genau erklären.

Vielleicht ist aber besser so, wenn die Leute diese Geschichte der Huren glauben.

Heute den ersten November ist der 100 Jahrestag des Geburtstages eines der besten Tangodichters, die es gab. Homero Manzi (Sur, Malena, Barrio de Tango). Und du schreibst, du bist froh, du kannst Tangotexte nicht verstehen. Es tut weh.


Und du schreibst Gardel mit dem Klischee....
Gardel war Komponist und nicht Dichter! Und hat Tangos von Manzi, von Le Pera, Cadícamo, Celedonio Flores und Discépolo gesungen. Den besten Tangodichter. Und du schreibst, du bist froh, du kannst Tangotexte nicht verstehen. Es tut weh.

Und du hast bestimmt auch nicht versucht die Dichtung von Horacio Ferrer zu übersetzen. Dort wird auch nicht von Uhren erzählt (obwohl Maria de Buenos Aires eine war). Es sind wirklich wunderschöne Texte. Ferrers Dichtung
entsteht im Rahmen der literarischen Bewegung "Surrealismo Mágico", dessen Initiator niemand geringer als Gabriel García Márquez war. Aber das alles interessiert Dich nicht. Mutter oder Hure. Einfach so.

Du hast Piazzolla vom Tango amputiert. Jetzt amputierst du 100 Jahre Dichtung. Die Amputierung des Tangos, die mich so aufregt.

Tango kann man zuhause hören, aber auf einer Milonga ist das Tanzmusik. Alle seine "Musikvorschläge" würden die Tanzfläche leer werden lassen - aber vielleicht will er das ja....

Ist auch nicht immer so! Man kann auch auf die Milonga gehen und sich mit Freunden unterhalten und nicht unmbedingt tanzen. So geht es in Buenos Aires und in den (Berner) Milongas geht es auch. Man geht auch in eine Discotheke und man tanzt auch nicht unbedingt oder?

Um ein Gefühl für die Musik zu bekommen, muss niemand den Text verstehen. Und wer aus aktuellen Gründen traurig ist, findet Trost in einem Tango, auch ohne die Worte zu verstehen. Ob die Texte frivol oder trivial sind, kann ich nicht beurteilen - aber das Leben kann ebenfalls frivol oder trivial sein, daher scheint mir das nicht so verkehrt.


Vielleicht bekommt man schon ein Gefühl für die Musik. Finde aber traurig, dass sich niemand für die anderen Aspekte interessieren. Weil Tango ist nicht nur Musik ist, sondern ein vielseitiger kultureller Ausdruck mit mehr als 100 Jahre Geschichte. Ich habe das Gefühl, wer heute Tango tanzt oder Tango auflegt, kann morgen auch Salsa tanzen oder Salsa auflegen oder den Tanzschritt, den es zu konsumieren gibt. Ich sage nicht, man muss einen Tango-Lebensstil führen, aber eben auch nicht so schnell reduzieren!


Amogles ich habe deine Wörter schön empfunden.


Sorry und gute Nacht.

elgatocalculista
Beiträge: 11
Registriert: 02.10.2007, 09:42

Re: Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von elgatocalculista » 02.11.2007, 11:03

Sorry, wollte nicht "komponiert" sagen sondern "interpretiert" Ich meine "Tristeza Marina"

Benutzeravatar
aleator
Beiträge: 9
Registriert: 28.09.2007, 12:08
Wohnort: Basel, Schweiz
Kontaktdaten:

Re: Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von aleator » 05.11.2007, 21:25

tangoinfo.ch hat geschrieben:
aleator hat geschrieben:... Hiermit möchte ich also alle einladen, die auch das Tango-Fieber gepackt hat, beizutreten und mitzumachen.
Ich lade dich ein:
a) dass du den Tango live in Basel entdeckst!
b) dass du deine Musik-Impressionen hier im foro de tango notierst. Wie wär's z.B. mit wiederkehrenden Beiträgen von dir, wie du den Einstieg in die Tango-Musik erlebst?

ciao, Michael
tangoinfo.ch
hola Michael,

danke für die einladung. hätte ich mehr tango-erfahrung und eine tanzpartnerin, wär ich sicher auch mehr unterwegs und weniger am nur musik-hören.... aber momentan bin ich es halt. also ist (a) noch in arbeit bzw. ein wenig am stagnieren im moment :)

was (b) angeht hab ich glaub mit dem last.fm ein wenig das falsche zielpublikum gefunden... ist eher für jüngere ;) so wie es scheint. es ist eine musik-plattform zum musik diskutieren... und das lässt sich halt dort einfacher machen als in einem normalen forum (wie hier) weil du halt alles verlinkt hast. anyway.... meinen "einstieg in die tango-musik" könnt ihr alle auf meinem last.fm account nachvollziehen, wie auch mein lieblingslied momentan:

vom Luis Borda Quinteto das lied Milonga De Mis Amores

http://www.last.fm/music/Luis+Borda+Qui ... Mis+Amores

ein toll interpretiertes lied! eigentlich alle lieder von diesem quinteto. sonst ist ortos aires auch toll zum geniessen. tanzen kann ich bis jetzt nur zu Juan D'Arienzo's liedern oder ähnlich leichtem. neotango liegt noch wenig im körper, zu sehr im ohr :) ... ist aber tolle musik (ich erwähne jetzt keine interpreten, könnt ihr alles nachschauen in meiner liste auf erwähntem portal).

zu piazzolla: er ist ein guter komponist wie auch spieler. doch er ist nicht nur tango. tanzen kann ich zu ihm nicht wirklich - noch nicht? - doch sind seine lieder, die meisten zumindest interessant vom musikalischen aspekt. klassischere wie Sarli oder D'Arienzo oder Cardel oder die klassischen quintetos oder sextetos finde ich schon leidenschaftlicher weil fliessender als jetzt piazzolla. es ist halt einfach nicht das gleiche.

die, welche La Chicana kennen werden mir zustimmen, dass solch tango-musik auch wunderschön ist, auch wenn, so scheint es, ungewöhnlicher als die klassiker.

neulich hab ich von einem last.fm kollegen aus südamerika den tipp bekommen Malena Muyala zu hören. leider hab ich bis jetzt noch nicht die cd auftreiben können in der schweiz... aber das ist die nächste, welche ich mir anhören werde und wenns gefällt auch kaufen.

kommentar, antithesis oder bemerkungen willkommen

grüesslis

Benutzeravatar
aleator
Beiträge: 9
Registriert: 28.09.2007, 12:08
Wohnort: Basel, Schweiz
Kontaktdaten:

Re: Welche Tango-Songs hört ihr so?

Beitrag von aleator » 05.11.2007, 21:37

elgatocalculista hat geschrieben: Es ist nämlich schöner und weniger automatisiert in einem solchen Forum als mit solchen Programmen wie dieses last.fm.
last.fm ist nicht automatisiert. ist halt nur weniger für leute, die was zu verstecken haben... der grosse vorteil dort ist die riesen datenbank an liedern und in jedem forum kann man darauf verweisen und meist auch die ersten 30sekunden gratis hören. :) - aber genug davon
elgatocalculista hat geschrieben: Ein Musiktipp, wenn dir Piazzolla gefällt:

Vor kurzer Zeit habe ich eine CD bekommen von einem Basler Trio, das sehr gute überarbeitete Versionen von Piazzollas Musik spielt:

http://www.trio-animae.com

Ich glaube, sie sind gerade von Basel, bin aber nicht sicher.
interessante musik. ein paar lieder sind noch ein wenig holprig interpretiert, doch sind viele davon genial interpretiert. vor allem gefällt mir die dominanz des piano, da ich selber piano spiele :) zusammen mit den streichern. tolle kombination. haben die schon ein paar cds herausgebracht? auf der website hat es nur die demo-cd zum probehören... kann man schwer für unterwegs mitnehmen :)

Antworten