Alles Gute für das Neue Forum - und eine Frage

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Joachim

Alles Gute für das Neue Forum - und eine Frage

Beitrag von Joachim » 03.08.2007, 10:35

Nachdem das alte Forum, mehr oder weniger nur vor sich hindümpelnd, sehr ruhig geworden ist, wünsche ich mir hier im Neuen Forum interessante Diskussionen rund um den Tango - oder auch abseits davon, wer weiss, wohin die Gedanken führen?

Ich halte es auch für erstrebenswert, wenn hier nun nicht wie in der Vergangenheit vereinzelt geschehen, unter dem Deckmantel eines Pseudonyms andre Leute beleidigt oder deren Meinung abgewertet wird, sondern als ebenfalls mögliche Denkweise angesehen wird. Mein Beitrag dazu ist, kein Pseudonym zu verwenden, ich glaube allgemein, solche Masken machen nichts einfacher.

Als Frage bringe ich nun die folgende ein: Das Tangogeschehen um Freiburg, Basel, Zürich scheint mittlerweile überraschungsfrei geworden.

Wo gehen denn die Bedürfnisse der Tänzerinnen und Tänzer derzeit hin?

Vor gut zehn Jahren waren noch Vereinsamung von vielen Singles, Technisierung der Welt allgemein, Zuwendung zu Kontakt und natürlich der Wunsch, etwas Besonderes zu können Gründe, sich dem Lernstress des Tangotanzens mutig zu unterziehen. Viele machen mittlerweile ganz was andres - das ist normal, andre klagen, sie können diese Tangoleute nicht mehr ertragen und bleiben deshalb weg von Milongas (und auch weg von grassierenden Tangofestivals), obwohl die Tanzlust und Liebe zur Tangomusik anhält. Mich interessiert, als Tänzer und als DJ, was Eurer Meinung nach geschehen muss, damit Abende ausser einer willkommenen Routine noch Platz für aussergewöhnliches haben?

Roberto
Beiträge: 6
Registriert: 03.08.2007, 11:47

Re: Alles Gute für das Neue Forum - und eine Frage

Beitrag von Roberto » 03.08.2007, 12:00

Gute Frage Joachim,
Es ist tatsächlich viel Frustration in der Tangoszene.
Für mich persönlich gibt es momentan einfach zuviele Milongas. Jeder und Jede hat das Gefühl, sie müsste auch noch was auf den Markt werfen. Glücklicherweise ist der Markt aber unerbittlich ehrlich und wirft alle Nullen aus dem Spiel.
Die Zeit allerdings bis der Veranstalter zur Kenntnis nimmt, dass seine Milonga nicht gefragt ist, kann sehr lange sein.
So oder so, wenn in Basel an einem Abend, zwei und mehr Milongas angeboten werden, bleibe ich lieber zu Hause und lese ein Buch. An eine Milonga zu gehen und mir zehn bis fünfzehn verlorenen Nasen anzusehen finde ich einfach nur noch beelendend. Mein Aufruf an alle Veranstalter:
Spricht euch ab und beschränkt euer Angebot auf ein Minimum, dann hat es an einer Milonga auch wieder ansprechend viele Leute.

Joachim

Re: Alles Gute für das Neue Forum - und eine Frage

Beitrag von Joachim » 03.08.2007, 15:55

Roberto hat geschrieben:...Jeder und Jede hat das Gefühl, sie müsste auch noch was auf den Markt werfen. Glücklicherweise ist der Markt aber unerbittlich ehrlich und wirft alle Nullen aus dem Spiel.
Sehe ich nicht so, aber die persönliche Perspektive und die Wertung, was "Null" ist, sind da wohl verschieden. Normalerweise ist die Besucherfrequenz ein Index für die Berechtigung einer Milonga, sagt aber auch nur indirekt über die Gesamtqualität etwas aus. Das Optimum für mich war das ATZ in der Binzmühlenstrasse in CH - das war aber eine andre Zeit, andre Randbedingungen und kommt so sicher nicht mehr wieder. Auch spielen Wochentag, Erreichbarkeit und Atmosphäre des Raumes eine Rolle - zu dem natürlich eine Auswahl an guten TanzpartnerInnen und inspirierender Musik. Wenn das letztere jedoch nicht gegeben ist - was ich derzeit ganz überwiegend erlebe - nutzen mir auch noch die tollsten Tänzerinnen nichts.
Roberto hat geschrieben:... zwei und mehr Milongas angeboten werden, bleibe ich lieber zu Hause und lese ein Buch.
Ich wähle eigentlich immer eine Milonga aus, wenn ich tanzen will. Ob dann eine oder 10 angeboten werden, ist egal. Die angebotene Quantität wird erst zum erschwerenden Auswahlkriterium, wenn die Qualität überall gleich hoch ist. Und davon sind wir hier noch ein Stück weit entfernt.

Aber die Frage war ja "Wo gehen die Bedürfnisse der Tanzenden derzeit hin?". Andersrum: Was muss passieren, um glücklich von einer Milonga heimzukehren?

René
Beiträge: 1
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Wohnort: Zürich

Re: Alles Gute für das Neue Forum - und eine Frage

Beitrag von René » 04.08.2007, 18:13

Schön, dass es wieder ein Tangoforum gibt. Und Joachim's Idee, sich mit Namen und Avatar der Diskussion zu stellen, kann ich nur unterstützen. Vielleicht entsteht so auch mal die Gelegenheit, mit jemandem über seine Beiträge im Forum an einer Milonga zu diskutieren und so seine Ideen und Ansichten besser kennenzulernen...

Aber zurück zur Diskussion. Frustration in der Tangoszene? Könnte ich so nicht sagen. Ich denke eher, der Frust ist sehr persönlich, eben - ob eine Milonga für einen selbst befriedigend war oder nicht. Meistens habe ich in den letzten Milongas mit sehr guten Tänzerinnen tanzen dürfen. Dabei spielt die Quantität der angebotenen Milongas wohl eher eine nebensächliche Rolle. Wir wählen unsere Milongas nach persönlicher Vorliebe. Wenn wir wissen, dass wir liebe Leute treffen, fahren wir auch schon mal nach Wahlwies oder Meersburg. (Bis Basel haben wir's noch nicht geschafft...)
Dann sind auch die Frustrationen meistens nicht vorhanden, da alle zum tanzen kommen und es keine Rolle spielt, "Wer mit Wem..." jetzt tanzen darf...
Zuletzt geändert von René am 05.08.2007, 14:18, insgesamt 2-mal geändert.
Ich Tango, also bin ich.

Joachim

Re: Alles Gute für das Neue Forum - und eine Frage

Beitrag von Joachim » 04.08.2007, 21:33

René hat geschrieben:... wogegen meine Frau sitzen blieb. ....
... da alle zum tanzen kommen und es keine Rolle spielt, "Wer mit Wem..." jetzt tanzen darf...
Sollte sich mal Deine Frau anmelden, hm? ;) Naja, aber über den Frust der Frauen beim standardmässigen Frauenüberschuss zu schreiben, könnte ich kaum tun, ohne einen Seitenhieb auf das Verhalten von Männern bei zufälligerweise mal auftretendem Männerüberschuss. Frauen warten oder lernen führen. Männer strecken kurz die Nase in den Saal und dackeln dann wieder heim...

Das wäre ein ganz andrer Thread.

Und schön, dass Du keine Frustrationen hast, René - ich habe übrigens dieses Wort bei meiner Eingangsfrage bewusst nicht verwendet. Aber auch darum ging's nicht in meiner Frage - es interessiert mich lediglich die Erwartungshaltung von Tänzern und Tänzerinnen, wenn sie zur Milonga gehen. Was wünscht ihr Euch, was macht den Abend rund?

amogles
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Re: Alles Gute für das Neue Forum - und eine Frage

Beitrag von amogles » 22.08.2007, 11:37

Nur so einige lose Gedanken die ich zusammeengewürfelt in den Raum stelle.

1) Qualität des Tangos, insbesondere im Unterricht.
Es gibt leider zunehmend Lehrer die didaktisch schwach sind, aber nur glauben weil sie ein Paar tolle Figur können, sie auch berechtigt sind diese zu unterrichten. Viele Anfänger geraten somit in die falsche Hände und werden früher oder später frustriert und gehen die Tangoszene frühzeitig verloren. Viele Lehrer kopieren die Konzepet ihrere eigenen Lehrer ohne diese wirklich zu verstehen. Somit werden

amogles
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Re: Alles Gute für das Neue Forum - und eine Frage

Beitrag von amogles » 22.08.2007, 11:44

Irgendwie hat das Programm mir vorher den halben Text geschluckt.
Kann es sein dass es Probleme mit dem Umlaut hat?


Nur so einige lose Gedanken die ich zusammeengewürfelt in den Raum stelle.

1) Qualität des Tangos, insbesondere im Unterricht.
Es gibt leider zunehmend Lehrer die didaktisch schwach sind, aber nur glauben weil sie ein Paar tolle Figur können, sie auch berechtigt sind diese zu unterrichten. Viele Anfänger geraten somit in die falsche Hände und werden früher oder später frustriert und gehen die Tangoszene frühzeitig verloren. Viele Lehrer kopieren die Konzepet ihrere eigenen Lehrer ohne diese wirklich zu verstehen. Somit werden Uebungen gemacht die ihr eigentlicher Sinn und Zusammenhang verloren haben. es werden Schritte geübt die eher verunsichern als aufbauen sind usw. Genau diese Lehrer sind auch nicht in der Lage ihre eigene Fehler einzusehen oder innovativ aufzutreten und für Neuerung oder Ueberraschung zu sorgen.

2) Qualität von Milongas. Es gibt leider eine "alte Garde" die glaubt, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben und deshalb alle anderen belehren können was sie dürfen und was sie nicht dürfen. Insbesondere gibt es ein harter Kern an Argentinier die glauben alles was nicht argentinisch ist ist minderwertig und hat im Tango nichts verloren und die auch nicht zögern einen dies zu erklären. Szenenkenner wissen das schon und schmünzeln einfach darüber und machen trotzdem was sie wollen. Aber für viele Anfänger wirken solche starre Haltungen abschreckend.

3) Die Milongabesucher selber. Ich weiss nicht ob es meine Einstellung ist die sich geändert haben, oder ob die anderen sich geändert haben. Aber früher hatte ich das gefühl, "wir" Milongabesucher sind alles eine grosse Familie. Kein Mensch ist es zu schade auch mit einen Anfänger zu tanzen oder sich zu unterhalten. Ich persönlich habe immer ein wenig darauf geachtet ob unbekannte Gesichter da sind und mich mit diese eine wenig unterhalten oder getanzt. Auch als ich merkte eine Frau sitzt länger herum ohne aufgefordert zu werden habe ich mich darum gekümmert - auch wenn sie weder jung und hübsch noch eine grossartige Tänzerin war. Heute macht das niemand mehr und es kommen mir gewisse Elemente der Szene vor wie eine Anhäufung von Eitelkeit und Arroganz. Man muss sich schick anziehen und ständig sich selber in den Spiegel bewundern und möglichste so tanzen dass einen alle einen bewundern und alle Leute die nicht zum harten Kern gehören total ignorieren.

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Re: Alles Gute für das Neue Forum - und eine Frage

Beitrag von tangoinfo.ch » 23.08.2007, 20:29

amogles hat geschrieben:Irgendwie hat das Programm mir vorher den halben Text geschluckt.
Kann es sein dass es Probleme mit dem Umlaut hat?
Bislang ist nichts bekannt. ich tippe Umlaute äöü ÄÖÜ - und alles bleibt vorhanden. Es muss bei dir eine Andere Ursache haben.

amogles hat geschrieben: 3) Die Milongabesucher selber. Ich weiss nicht ob es meine Einstellung ist die sich geändert haben ... Auch als ich merkte eine Frau sitzt länger herum ohne aufgefordert zu werden habe ich mich darum gekümmert - auch wenn sie weder jung und hübsch noch eine grossartige Tänzerin war.
Einerseits mag dich diese Haltung ehren, andererseits ist das dein Weltbild : Frau jung und hübsch? Jetzt wäre es angebracht, wenn Milongueras dein Weltbild kommentieren würden :!:
amogles hat geschrieben: Heute macht das niemand mehr und es kommen mir gewisse Elemente der Szene vor wie eine Anhäufung von Eitelkeit und Arroganz...
In der Umfrage zur "schönen Milonga" (siehe http://www.tangoinfo.ch/milonga2002_3.shtml ) wurde der "Marktplatz der Eitelkeiten" als unwichtigstes Merkmal eingestuft. Es widerlegt deine Beobachtung nicht; ein paar Eitelkeiten gehören sicher zur "Grundausstattung" jeder Milonga 8-)

ciao, Michael

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